Nachwuchs nicht abkanzeln

ann | September 1st, 2010 - 22:33

Die Parlamentspause im langsam zu Ende gehenden Sommer nutzt neben vielen anderen Politikern auch Sebastian Lechner zu einer Tour durch Niedersachsen. Der Landesvorsitzende der Jungen Union (JU) besucht alle 50 Kreisverbände des CDU-Nachwuchses. Die PR-Tour dient neben dem Zweck, Gleichgesinnte für die Kommunalwahlen zu interessieren, auch dazu, auf Lechner und die JU aufmerksam zu machen.

Auf Sommertour

Der JU-Landesvorsitzende Sebastian Lechner (Mitte) – im Kreis einiger Mitstreiter auf Landes-, Bezirks- und Kreisebene (Foto: Klöfkorn)

Auf dem Besuchsprogramm des 29-Jährigen stehen auch Abstecher in die niedersächsischen Zeitungsredaktionen. Sich vorab über den Besucher zu informieren, ist für den Lokalredakteur jedoch problematisch: Die persönliche Homepage wird gerade überarbeitet.  Der erste Eindruck von Lechner: Er kommt ein bisschen daher wie ein gestandener Politiker – begleitet von einem Tross JU-Angehöriger aus der Region sowie aus dem Landes- oder Bezirksvorstand. Im Gespräch gibt er sich wie ein Großteil der Jungpolitikergeneration – unabhängig von Parteizugehörigkeit: druckreif , geschliffene Formulierungen, immer nah am Parteiprogramm, keine Zweifel an der Richtigkeit eigener Thesen. Nur wenige Wählerstimmen fehlten Lechner, um im Wahlkreis Hannover-Land I die SPD-Konkurrentin Caren Marks zu überholen und das Direktmandat für den Bundestag zu gewinnen. Der Stolz, der seit 2002 im Parlament sitzenden Sozialdemokratin einen gehörigen Schrecken eingejagt zu haben, ist dem JU-Vorsitzenden anzumerken. Ebenso lange gehörte Monika Brüning dem Bundestag an, die Lechner in der CDU-internen Ausscheidung aus dem Rennen kegelte. Die Partei belohnte ihn dafür nicht, sein Listenplatz reichte nicht zum Einzug in des Bundesparlament.
Jetzt sind erst einmal Kommunalwahlen, und für die möchte Lechner während seiner Sommertour möglichst viele Mitstreiter motivieren. 350 von ihnen sitzen schon jetzt in einem kommunalen Parlament in Niedersachsen, nach der Wahl im nächsten Jahr sollen es etwa 500 sein. Nun ist die Arbeit in den Gemeinde- und Stadträten ein hartes Brot, fehlt es doch überall an Geld und damit an Gestaltungsmöglichkeiten. Lechners These dagegen: “Das Interessante an der Kommunalpolitik ist die Unmittelbarkeit.” Jedes Ratsmitglied stehe nicht nur in engem Kontakt zu den Wählern, sondern könne auch mit Anträgen direkte Politik gestalten.

“Und neue Ideen finden immer Gehör”, macht der Christdemokrat Mut. Um den eigenen Kandidaten Anreize zu schaffen, entwickelt die JU Grundlinien zur Kommunalpolitik. Vorraussetzung sei, dass die Städte und Gemeinden finanzielle Mittel haben müssten, um ihre Aufgaben bewältigen zu können.  ” Die Kommunen brauchen Geld”, fordert Lechner. Ein Problem, dass auch Bremervörder quält und die Arbeit des Rates erschwert. Dennoch will die Junge Union in einem Jahr mit 4 bis 5 Kandidaten auf der CDU-Liste antreten. Marco Prietz aus Hönau-Lindorf -  auf Bezirks- und Landesebene in der JU aktiv -  erwähnt das eigenen Programm, dass die Nachwuchsorganisation für die Stadtratswahl aufstellen wird und von dem sich möglichst viel im CDU-Wahlkampfprogramm wiederfinden soll.                                                                                                                                                                                                                                          Die starke Position der Bremervörder JU erklärt sich auch aus der Schwäche anderer Parteien. An den Jungsozialisten lässt der Landesvorsitzenden kein gutes Haar. Sie hätten “Flausen im Kopf”, die JU würde sich deutlich von ihnen im “Weltbild unterscheiden”, sagt Lechner. Auch mit den 68er hätte er wenig am Hut. “Wir sind nicht die Auflehner-Generation gegen unsere Eltern”.

Weniger Kritik und mehr Anerkennung wünscht sich Lechner für sich und seinesgleichen. Es sei gut, dass der neue Bundespräsident Christian Wulff -ein Parteifreund- die Berufspolitiker in Schutz genommen habe. Wer nur immer schimpfe, müsse sich nicht wundern, wenn niemand mehr in die Politik gehe. “Gerade junge Menschen, die sich für die Politik entscheiden, sollten nicht abgekanzelt werden”, sagt Lechner und nimmt sich selbst vor dem Vorwurf in Schutz, ein Berufspolitiker ohne berufliche Erfahrung zu sein: Immerhin sei er nach seinem Studium der Volkswirtschaftslehre zwei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig gewesen. Seine Laufbahn ähnelt dabei der von Ministerpräsident David McAllister, der sich ebenfalls über die Junge Union in der CDU einen Namen machte. McAllister sei das Vorbild des christdemokratischen Nachwuchses, meint Lechner, der als JU-Chef gute Aussichten besitzt, einmal selbst eine Rolle in der Landespolitik zu spielen. Bis dahin dürfte dann auch seine Homepage wieder in Betrieb sein.

Von
Rainer Klöfkorn
Bremervörde

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